Festkleben statt Entkoppeln? Eine gerechtigkeitstheoretische Analyse des schulischen Langzeitpraktikums an nicht-gymnasialen Sekundarschulen in Rheinland-Pfalz
Festkleben statt Entkoppeln? Eine gerechtigkeitstheoretische Analyse des schulischen Langzeitpraktikums an nicht-gymnasialen Sekundarschulen in Rheinland-Pfalz
9,98 €
| Produktnummer: | ZSE2404436 |
|---|---|
| Erscheinungsdatum: | 22.11.2024 |
| Umfang: | 14 Seiten |
| Lieferzeitraum: | Lieferung nach Zahlungseingang |
In Rheinland-Pfalz wurde 2007/08 zur Verbesserung des Übergangs in Ausbildung für Schüler:innen im Bildungsgang zur Berufsreife das schulische Langzeitpraktikum „Praxistag“ eingeführt, das mittlerweile an den meisten nicht-gymnasialen Sekundarschulen angeboten wird. Durch das mindestens halbjährige Tagespraktikum sollen schulleistungsschwache Schüler:innen möglichst reibungsfrei in statusniedrige Ausbildungsberufe vermittelt werden. Anknüpfend an die Aufgabe einer „kritischen Schulsystementwicklungsforschung“ (Berkemeyer et al., 2019), wird in diesem Beitrag das Praxistagkonzept mit Rückgriff auf die Gerechtigkeitstheorien von John Rawls und Amartya Sen analysiert. Im Ergebnis wird deutlich, dass der Praxistag, der auf den ersten Blick pädagogisch und politisch als sinnvolle Fördermaßnahme erscheint, als ungerecht zu bewerten ist. Denn das gleiche Recht einer ohnehin benachteiligten Gruppe auf eine funktionale Grundbildung für eine autonome Lebensführung in der Gemeinschaft wird institutionell missachtet und die teilnehmenden Schüler:innen werden individuell in ihrer Freiheit eingeschränkt, ihre selbstgewählte Vorstellung für ein gutes Leben realisieren zu können. \nIn Rhineland-Palatinate, the long-term school-based internship “Praxistag” was introduced in 2007/08 in order to improve the transition to vocational training for students on the educational pathway to vocational maturity, which is now offered at most non-grammar secondary schools. The aim of the one-day internship, which lasts at least six months, is to ensure that low-performing students are placed in lower-status training occupations as smoothly as possible. Based on the task of “critical educational system development research” (Berkemeyer et al., 2019), this article discusses the “Praxistag” concept with reference to the theories of justice by John Rawls and Amartya Sen. The results show that the “Praxistag”, which at first glance appears to be a sensible educational and political support measure, is to be regarded as unfair. Because the same right of an already disadvantaged group to a functional basic education is institutionally disregarded and the participating students are individually restricted in their freedom, to be able to realize their self-chosen idea for a good life.
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