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Lehrer Alexander Brand im Gespräch über sein Buch »Die Bildungsweltmeister«

Lieber Herr Brand, was hat Sie dazu bewegt, die »besten Schulen der Welt« zu besuchen?
Deutschland steckt seit Jahren in einer Bildungskrise, und trotzdem drehen sich viele Debatten im Kreis. Das hat mich irgendwann unruhig gemacht. Wir diskutieren sehr viel über Detailreformen, schauen aber zu selten dorthin, wo es besser funktioniert. Hinzu kommt mein eigener Hintergrund: Ich bin mit zwei Kulturen aufgewachsen, war selbst als Schüler und Student im Ausland und habe erlebt, wie unterschiedlich Schule sein kann. Irgendwann wurde ich neugierig und wollte genauer wissen: Wie funktioniert Schule in den Ländern, die bei PISA und anderen Vergleichen seit Jahren ganz vorne liegen?

 

Welche Situation hat Sie auf Ihrer Reise besonders beeindruckt?
Es gab viele, aber besonders hängen geblieben sind mir meine Schulbesuche in Japan. Dort habe ich erlebt, wie viel Verantwortung Schülerinnen und Schüler übernehmen können, wenn man ihnen etwas zutraut. In den Schulen servieren die Kinder zum Beispiel selbst das Mittagessen, sie putzen nach der Pause die Klassenräume und organisieren vieles im Schulalltag eigenständig. Schule ist dort ein gemeinsamer Lebensraum, für den alle Verantwortung tragen.

 

Was muss sich Ihrer Meinung nach im deutschen Bildungssystem unbedingt ändern?
In Deutschland lassen wir Lehrkräfte mit der Heterogenität im Klassenzimmer weitgehend allein und speisen leistungsschwächere Kinder häufig mit vereinfachten Aufgaben ab oder schieben sie vorschnell in weniger anspruchsvolle Schulformen ab. Anstatt die Anforderungen für bestimmte Kinder zu senken, halten viele der von mir besuchten Schulen die Erwartungen bewusst für alle gleich hoch. Was variiert, ist der Grad der Unterstützung. Die Leitidee, dass jedes Kind mit genügend Hilfe anspruchsvolle Bildungsziele erreichen kann, ist mir auf meinen Reisen immer wieder begegnet.

 

Wie stellen Sie sich die Schule der Zukunft vor?
Ich hoffe vor allem auf eine Schule, die weniger Moden und Mythen hinterherläuft und stärker auf das hört, was die Wissenschaft über gutes Lernen weiß. Wir wissen heute ziemlich viel darüber, wie nachhaltiges Lernen funktioniert, aber dieses Wissen kommt im Schulalltag oft nicht an. Die Schule der Zukunft braucht deshalb Lehrkräfte, die sich als professionelle Lernende verstehen: Menschen, die sich kontinuierlich mit Ergebnissen der Bildungsforschung beschäftigen, ihren eigenen Unterricht reflektieren und weiterentwickeln. In Ländern wie Singapur oder Finnland ist das völlig selbstverständlich.

Über Alexander Brand

Alexander Brand, geboren 1995, ist Bildungsjournalist und Lehrer in Hamburg. Schon während seiner eigenen Ausbildung lernte er andere Schulsysteme kennen, ging zur Highschool in den USA und studierte in Großbritannien, den USA und Finnland. Heute arbeitet der ausgebildete Mathe- und Physiklehrer hauptberuflich als Redakteur für das »Deutsche Schulportal« der Robert Bosch Stiftung und schreibt dort über Themen aus Schulpraxis und Bildungspolitik. Zudem unterrichtet er in Teilzeit an einer weiterführenden Schule in Hamburg. Für sein Buch »Die Bildungsweltmeister« reiste er sechs Monate lang durch die Top-PISA-Länder.

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